Working Paper Series


Working Paper 1 • 2021

Food for Justice: Power, Politics, and Food Inequalities in a Bioeconomy Preliminary Research Program

Abstract

Die Junior-Nachwuchsgruppe Food for Justice untersucht normative Fragen der Ungleichheit und Gerechtigkeit, der Rechte und der Demokratie, die sich in den Auseinandersetzungen um die Frage „Wie werden wir die Welt ernähren?“ stellen. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger nehmen das globale Ernährungssystem als Teil der historischen Ursachen der ökologischen Krise und des anhaltenden Hungers in der Welt wahr. Obwohl die Gründe für diese kausalen Zusammenhänge seit langem bekannt sind (u. a. die Nutzung von Lebensmitteln für Profitzwecke, die Kluft zwischen Produktion und Verbrauch, Konflikte um Land und Wasser, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, die Energiematrix und die Abfallerzeugung), neigen die Forschungen zur Ernährungssicherheit und zur Bioökonomie dazu, sich auf dieselben zu stützen und nach technologischen Lösungen für ein profitorientiertes Modell der Ausbeutung lebender Materie zu suchen. Um die Debatte zu vertiefen, wird mehr Wissen darüber benötigt, welches Lebensmittelsystem die Bürgerinnen und Bürger wünschen, welche Lösungen bereits vorhanden sind, um die sozialen Bedenken zu zerstreuen, und wie die öffentliche Politik auf ein faires, demokratisches und nachhaltiges Lebensmittelsystem umgelenkt werden kann. Food for Justice kombiniert theoretische Perspektiven zu globalen, miteinander verflochtenen Ungleichheiten mit sozialer Bewegungsforschung und wird Herausforderungen und Lösungen sowohl in Europa (mit Schwerpunkt Deutschland) als auch in Lateinamerika (mit Schwerpunkt Brasilien) untersuchen. Die Forschung besteht aus Fallstudien sozialer Mobilisierung, die auf Ungerechtigkeiten im Lebensmittelsystem abzielt, und aus Fallstudien sozialer Technologien und politischer Innovationen, wie Agrarökologie und alternative Lebensmittelnetzwerke. Food for Justice zielt darauf ab, einen theoretischen und konzeptionellen Rahmen zu schaffen, der sich auf empirische Forschung stützt, um soziale und politische Experimente zu analysieren, die sich mit Ungleichheiten aufgrund von Klasse, Geschlecht, Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, ländlicher Herkunft und Staatsbürgerschaft befassen und so faire, demokratische und ökologische Lebensmittelbeziehungen schaffen.

_ Keywords: food inequalities, bioeconomy, food justice, food security, food sovereignty, social movements

Working Paper 2 • 2021

Marcha das Margaridas 2019: alimentação, mobilização social e feminismos

Abstract

This paper presents the data collected in the survey Marcha das Margaridas 2019: food, social mobilization and gender, whose objective was to understand the social composition and the perception of activists on these issues. The survey was conducted on August 13 and 14, 2019 in face-to-face (458) and self-administered form (1657) modalities. The Marcha das Margaridas is one of the case studies of the Food for Justice Research Group, which analyzes social mobilizations that counter injustices in food systems, as well as social and political innovations that confront multiple and intersectional inequalities such as class, gender, race, ethnicity and nationality, in the construction of just and ecological food systems.

_ Keywords: Marcha das Margaridas; movimentos sociais, feminismo, sistemas alimentares, survey research

Working Paper 3 • 2021

Politische Ernährung. Mobilisierung, Konsumverhalten und Motive von Teilnehmer*innen der Wir haben es satt! Demonstration 2020

Abstract

Die von dem Bündnis Meine Landwirtschaft organisierte Großdemonstration Wir haben es satt! findet seit zehn Jahren zum Auftakt der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin statt. Das Bündnis setzt sich für eine nachhaltige, faire Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ein und unterstützt deutschlandweit bäuerliche Betriebe. Am 18. Januar 2020 haben Forscherinnen der Freien Universität Berlin in Kooperation mit dem Institut für Protest- und Bewegungsforschung eine umfassende Befragung der Beteiligten der Wir haben es satt!-Demonstration durchgeführt. Die so gewonnenen Daten geben Aufschluss darüber, wer die Demonstrant*innen waren, was ihre Anliegen und politischen Haltungen sind und, nicht zuletzt, wie sie durch ihr eigenes Verhalten in Konsum und Lebensführung eine andere Landwirtschaft unterstützen. Ein Großteil der Befragten der Wir haben es satt!-Demonstration identifizierte sich als weiblich und ordnete sich politisch als links der Mitte ein. Ältere Kohorten waren insgesamt etwas stärker vertreten. Wie bei vielen Protesten in Deutschland stellen die Befragten einen spezifischen sozio-ökonomischen Ausschnitt der Bevölkerung dar: zwei Drittel geben an, einen Universitätsabschluss zu haben, die meisten verfügen über ein mittleres bis hohes Einkommen. Vor allem waren die Demonstrant*innen stark politisch engagiert; viele von ihnen sind Mitglied in politischen Organisationen, sehr erfahrene Demonstrant*innen und vertraut mit den gesellschaftspolitischen Kämpfen zu Klima- und Umweltpolitik. Für weniger als zwei Prozent war dies die erste Demonstration überhaupt. Da es bei der Demonstrationsbefragung nicht möglich war, auch den an die Wir haben es satt!-Demonstration angegliederten Traktoren-Umzug fußläufi g zu befragen, handelt es sich zudem bei den Teilnehmer*innen der Befragung vor allem um Konsument*innen. Nur sehr wenige der Befragten produzieren selbst Lebensmittel zu kommerziellen Zwecken. Diese spezifische Gesellschaftsgruppe kann als ernährungsbewusst bezeichnet werden. Sie trifft ethische Kaufentscheidungen und hat ein großes Interesse daran hat, die eigenen Anliegen zu äußern.

_ Keywords: Wir haben es satt, social mobilization, soziale Mobilisierung, Protestforschung, Agrar- und Ernährungswende, Ernährungsgerechtigkeit, Deutschland, food movement, protest survey, food justice, Germany

Working Paper 4 • 2021

Efeitos da pandemia na alimentação e na situação da segurança alimentar no Brasil

Abstract

This working paper analyzes the effects of the Covid-19 pandemic on food security and food consumption in Brazil. The data was collected between November and December 2020 through a public opinion survey conducted by telephone with a representative sample of the Brazilian population. This data collection was coordinated by the Research Group Food for Justice: Power, Politics and Food Inequalities in a Bioeconomy, of the Freie Universität Berlin (Germany), jointly with researchers from the Universidade Federal de Minas Gerais (UFMG) and the Universidade de Brasília (UnB). The results show that 59% of the inquired households are in a situation of food insecurity during the pandemic, and that a significant part of the respondents reduced the consumption of food items important for their regular diets; 44% reduced meat and 41% reduced fruit consumption. Thus, the data collected confirms the previous findings by the National Research for Sample of Domicile (Pesquisa Nacional por Amostra de Domicílio) that indicated an increase in food insecurity in Brazil in the years 2017 and 2018 compared to the previous standards from 2013. In conclusion, the socioeconomic instabilities caused by the political and economic crises in recent years have worsened with the Covid-19 pandemic, reinforcing food inequalities for a large portion of the Brazilian population, especially regarding access to healthy food on a regular basis in a sufficient quantity and quality.

_ Keywords: Food security; Brazilian Food Insecurity Scale; Human right to adequate food; Covid-19; Pandemic; Public health; Public policies; Food inequalities

Working Paper 5 • 2021

How to harvest in a pandemic? The German media coverage of migrant workers and harvesting in the context of the Covid-19 crisis in 2020

Abstract

Die COVID-19-Pandemie ist weithin als eine Krise diskutiert worden, die sich auf das tägliche Leben auf globaler Ebene auswirkt, einschließlich der Lebensmittelsicherheit, der globalen Lieferketten, des Verbraucherverhaltens und der Ernährung. In dieser Krise wurde die Bereitstellung von Lebensmitteln zu einer noch wichtigeren Dienstleistung, die landwirtschaftliche Arbeit zu einer wichtigen Tätigkeit und damit die Landarbeiter zu sogenannten wichtigen Arbeitskräften. In Deutschland wurde dieses Thema von den lokalen und überregionalen Zeitungen breit aufgegriffen. Durch das große Medieninteresse während der ersten Aussperrung wurden die Arbeitsbedingungen in der Lebensmittelbranche und insbesondere die Marginalisierung der Landarbeiter für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar gemacht. In diesem Beitrag werden die Diskurse und die Auswirkungen der Lebensmittelproduktion in Zeiten der Pandemie auf die bereits bestehenden Ungleichheiten zwischen den Arbeitnehmern und die fehlenden Arbeitnehmerrechte analysiert, wobei Wanderarbeiter als eine der am stärksten gefährdeten Gruppen im deutschen Lebensmittelsystem herausgestellt werden. Abschließend wird gezeigt, dass die Mechanismen von Covid-19, die während der Pandemie bestehende Ungleichheiten im Lebensmittelsektor verschärft haben, Teil einer strukturellen sozioökonomischen und soziopolitischen Krise sind, die im Kontext des globalen Kapitalismus und intersektionaler Ungleichheiten betrachtet werden muss.

_ Keywords: Covid-19; Pandemic; Food Inequalities; Migrant Harvest Workers; Farmworkers; Agriculture; Food Production; Exploitative Working Conditions

Working Paper 6 • 2022

Retrato da Segurança Alimentar e Nutricional em Belo Horizonte: Portrait of food and nutrition security in Belo Horizonte

Abstract

This publication analyses the food insecurity situation in the city of Belo Horizonte, the capital of the Brazilian state Minas Gerais. Belo Horizonte is publicly recognized for its history of implementing public policies on food security. The data analyzed was collected through a public opinion survey representative of the population of Belo Horizonte, with data collection carried out in areas with high pedestrian flow distributed in 113 neighborhoods from 7 to 27 April 2022. The Research Group Food for Justice: Power, Politics and Food Inequalities in the Bioeconomy, based at the Freie Universität Berlin (Germany), coordinated this data collection in cooperation with researchers from the Universidade Federal de Minas Gerais (UFMG), the Forum of Researchers on Food Sovereignty and Food Security of Belo Horizonte and the Undersecretariat of Food Security and Nutrition of the Mayor of Belo Horizonte, Fome Zero Institute (IFZ) and Center for the Study of Metropolis of the Universidade de São Paulo (CEM/USP). The results show that 55.7% of households experienced food insecurity, whether mild (30.1%), moderate (12.4%), or severe (13.2%). The findings also point out that some domiciles were more exposed to food insecurity than others, according to household features. For example, food insecurity was significantly higher in households headed by a single female person (63.3%), headed by someone who was racialized as brown (57.3%) or black (68.4%), or when the household had in its composition children up to 4 years old (66.9%) or children and teenagers from 5 to 17 years old (64.7%). The frequency of food insecurity is also significant in households whose per capita income is equivalent to up to 25% of the minimum wage (R$303.00, three hundred and three reais) (86.9%). It is possible to conclude that food insecurity is reproduced from the interweaving of inequalities, which requires a broad set of actions to overcome such asymmetries. It includes a state action that articulates different levels and spheres of power, with popular participation, and an intersectoral approach, which integrates and ensures rights and policies to the most vulnerable population.

_ Keywords: segurança alimentar desigualdades alimentares políticas públicas Belo Horizonte